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Erstellt am 1. September 2018 von Mathias Stalder

Billiglohnbranche Landwirtschaft

SaisonarbeiterInnen sorgen dafür, dass unser Gemüse frisch und billig auf den Teller kommt. Sie arbeiten unter prekärsten Bedingungen in der Schweiz.
Im Kanton Genf müssen 45 Stunden und im Kanton Glarus bis zu 66 Stunden pro Woche gearbeitet werden. Der Mindestlohn für saisonale Arbeitskräfte beträgt CHF 3'210.-. Das ergibt einen Stundenlohn in Genf von CHF 17.50 und in Glarus von CHF 11.20. Dazu kommen noch Abzüge für Kost und Logis von bis zu CHF 990.- pro Monat. Notabene handelt es sich um Richtlinien der jeweiligen kantonalen Normalarbeitsverträge (NAV), worin die Wochenarbeitszeiten festgeschrieben sind. Rund 30'000 ErntehelferInnen verdienen sich so ihren Lebensunterhalt in der Schweiz. Zwischen dem Schweizerischen Bauernverband (SBV) und der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Berufsverbände landwirtschaftlicher Angestellter (ABLA) wurde vor drei Jahren ein Normalarbeitsvertrag (NAV) ausgehandelt, aber auch dieser ist nicht verbindlich.

Ungeregelt ausgenutzt
Philippe Sauvin von der Gewerkschaft l’autre syndicat, schätzt dass 5‘000 – 8‘000 Personen ungeregelt und rund 15'000 MigrantInnen mit regulären Bewilligungen in der Landwirtschaft tätig sind. «Generell werden durch Arbeitskontrollen wenige Arbeitsverstösse aufgedeckt, da die NAVs nicht verpflichtend sind», stellt Sauvin fest. Sarah Schilliger, Soziologin und Migrationsforscherin, meint dazu: «Aufgrund der sozialen Isolation, nicht ausreichender Sprachekenntnisse und mangelnder gewerkschaftlicher Unterstützung ist es für migrantische LandarbeiterInnen schwierig, sich im Fall von Lohnmissbrauch, fehlender Sozialleistungen oder unbezahlter Überstunden zu wehren.» Die Initiative für Ernährungssouveränität fordert u.a. eine schweizweite Vereinheitlichung der Arbeitsbedingungen und eine einträgliche Landwirtschaft dazu, damit faire Löhne möglich werden. Zum Vergleich, das landwirtschaftliche Einkommen pro Betrieb betrug 2016 im Durchschnitt CHF 64'300.-.

Ennet der Grenze
In Frankreich wird ein Mindestlohn (SMIC) von EUR 1‘480.30 monatlich bezahlt bei einem Stundenlohn von EUR 9.88 (2017). In Deutschland werden EUR 9.10 pro Stunde ausbezahlt. Die Löhne sollen zudem ab 1. Januar 2019 um 2,5 Prozent und ab 1. Januar 2020 um weitere 1,5 Prozent angehoben werden. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit beläuft sich auf 40 Stunden. Hierbei handelt es sich um eine Bundesempfehlung des Gesamtverbandes der Deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände e.V. (GLFA) und der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), die in die regionalen Tarifverträge einfliessen soll.

Mathias Stalder

Mehr zur erfolgreichen basisgewerkschaftlichen Kampagne in Österreich: www.sezonieri.at
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