BETONGOLD


MISTGABEL


MAPPING BASEL


OFFENES INSTITUT

Unterstützen • Mitgliedschaft
Kontakt • Newsletter
Recht auf Stadt
  MISTGABEL
Erstellt am 2. September 2018 von Mathias Stalder

Ein Ernährungsrat für Basel!

Wie wollen wir uns heute und erst recht in der Zukunft ernähren? Ernährungsstrategien sind das Instrument, um Ernährungspolitik auf städtischer Ebene zu verankern und nachhaltig vom Acker bis auf den Teller auszugestalten.
Künftig werden die Städte noch stärker durch Umweltverschmutzung, Ressourcenverbrauch und Klimawandel herausgefordert sein. Steigende Gesundheitskosten durch Fehlernährung und Übergewicht, Armut und Individualisierung können über eine städtische Ernährungspolitik gemindert werden. Und durch die Demokratisierung der Ernährungssysteme entsteht ein neuer sozialer Kitt: urbane Landwirtschaft, Vertragslandwirtschaften, Foodcoops, eine Vielfalt an kreativen verarbeitenden Betrieben, partizipativen Bauernläden, regionalen Märkten, sprich ein Wandel der Basler Esskultur. Das ist das Filetstück für eine neue städtische Ernährungspolitik!

Mächtige Städte
Die Vielfalt im Supermarkt ist nicht das Spiegelbild einer vielfältigen, regionalen und nachhaltigen Landwirtschaft sondern einer globalisierten, auf wenige global agierende Konzerne reduzierten Agrar- und Lebensmittelindustrie. Die Rohstoffe sind Dumpingware, meist ohne geringste soziale und ökologische Standards. Die industrialisierte Landwirtschaft verwandelt die Erde in eine Wüste.
Die Städte haben ein wichtiges Mittel in der Hand, dies zu ändern. Rund 280 Millionen Mahlzeiten werden nämlich gemäss Greenpeace jährlich in Schulen, Spitälern oder Heimen in der Schweiz serviert. Ein wesentlicher Teil davon liegt in städtischer Verantwortung oder wird von den Städten in Auftrag gegeben, so Greenpeace in ihrer Untersuchung «Essen nicht vergessen!» Lugano landet darin auf dem letzten Rang unter den zehn grössten Städten der Schweiz. Aber selbst bei der Vorreiterstadt Bern sieht die Umweltorganisation noch Handlungsbedarf. Basel ist knapp auf dem Weg. Es sind die Fleisch- und Milchprodukte, die den Löwenanteil der Umweltbelastung ausmachen, und die gilt es zu reduzieren, will das Klima geschützt werden. Gleichzeitig fordert Greenpeace, wie sie in ihrer Erklärung schreiben, «strenge Ernährungsrichtlinien, die Nachhaltigkeit, Gesundheit und Genuss unter einen Hut bringen».
Städte gründen Food Councils, zu Deutsch Ernährungsräte. Dort treffen sich die verschiedenen Akteure aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Administration. Sie erarbeiten Chartas, in denen sie ihre Ziele für eine nachhaltige Ernährungspolitik festhalten. Die Räte erstellen eine Bestandesaufnahme, formulieren eine gemeinsame Vision und setzen Massnahmen in Gang. Das ist zukunftsweisend und wird die Städte bleibend verändern. In Europa noch eine Ausnahmeerscheinung, haben rund 400 Kommunen in den USA und Kanada teils schon vor Jahrzehnten damit angefangen. In Grossbritannien zählt das 2013 gegründete Netzwerk «Sustainable Food Cities» bereits über 50 Mitglieder.
Mathias Stalder, Gewerkschaftssekretär bei Uniterre und Koordinator der Initiative für Ernährungssouveränität

Mehr zur Kampagne «Essen nicht vergessen!»
Philipp Stierand: Stadtentwicklung dem Gartenspaten – Umrisse einer Stadternährungsplanung zum frei Herunterladen auf http://speiseraeume.de

Broschüre «Für eine Ernährung mit Zukunft. Souveränität auf Acker und Teller» Uniterre. April 2013. Preis: Fr. 5.- zu beziehen über www.uniterre.ch

Broschüre: «Unser Essen mitgestalten – Ein Handbuch zum Ernährungsrat» zum Gratis-Download unter www.inkota.de


ZITAT
«Wir haben versucht, eine einfache Frage zu beantworten: Können wir eine gemeinsame Sprache finden, die über Alter, Einkommen und Kultur hinweg verstanden wird und die den Menschen hilft, einen neuen Lebensweg einzuschlagen, ihr Umfeld anders zu betrachten, über Ressourcen anders nachzudenken, anders miteinander umzugehen?
Können wir diese Sprache finden? [...] Die Antwort schien 'Ja' zu heißen, und die Sprache schien 'Essen' zu sein.»
Pam Warhurst, Initiantin von Incredible Edible in Todmorden (UK)

Weiterlesen

Factsheet-Ernährung

Einige spannende Zahlen und Fakten rund um unsere Ernährungssysteme. Damals wie heute:
Teilen
Mail | Telegram